Öffentliche Anhörung – zum Gesetzesentwurf zur Änderung des Personenstandsgesetzes am 26.11.2018

Am 26. November 2018 fand eine öffentliche Anhörung des Ausschusses für Inneres und Heimat (Innenausschuss) zum Gesetzesentwurf „Änderungen der in das Geburtenregister einzutragenden Angaben“ statt. Als juristische Auskunftspersonen waren anwesend die Jurist_innen PD Dr. Petra Follmar-Otto, Dr. Anna Katharina Mangold und Prof. Dr. Konstanze Plett, die Ärzt_innen Prof. Dr. Susanne Krege, Prof. Dr. Anne Richter-Unruh und Dr. Christian Spaemann sowie Lucie Veith für den Bundesverband „Intersexuelle Menschen e. V.“ Andere relevante Disziplinen, wie Psychologie und Pädagogik, waren nicht vertreten. Unter diesem Link kann der Video-Mitschnitt angeschaut werden.

Intergeschlechtlichkeit in der Familienserie “Lena Lorenz”: ZDF läutete den Intersex Awareness Tag ein

Erstmals läutete das ZDF (Zweites Deutsches Fernsehen) den International Intersex Awareness Day am Vorabend mit einem thematischen Bezug in der Sendung “Lena Lorenz” ein: Der Tag findet jährlich am 26. Oktober statt. In der Folge “Eindeutig uneindeutig” der Serie “Lena Lorenz” (90 min) ging es um die Geburt eines Interkindes mit partieller Androgeninsensitivität (PAIS) und die Fragen, die dadurch aufgeworfen werden. Anschaulich wird der Druck dargestellt, unter den Familien geraten können, eine schnelle Zuordnung ihres Neugeborenen mit mehrdeutigem Genitale zum weiblichen oder männlichen Geschlecht vorzunehmen. Da erscheinen der aufgeklärte Arzt, der die neuen medizinischen Leitlinien  zu kennen scheint, und die besonnene und fürsorgliche Hebamme Lena Lorenz als echte Vorbilder und Glücksfall für Kind und Eltern.

Geschlechtsanpassende Operationen ohne eindeutigen medizinischen Grund (Indikation) werden verurteilt und als obsolet erklärt. Doch die Beratung beider Profis wird von der Familie nur zaghaft angenommen. Es ist schließlich der vielleicht 6-jährige Bruder, der sich für sein Geschwisterkind einsetzt und die Eltern zur Vernunft bringt, indem er ihnen zeigt, was wirklich wichtig ist: Einander anzunehmen und zu lieben, wie man ist.

In der Folge wird die Selbstverständlichkeit angenommener Zweigeschlechtlichkeit in Frage gestellt. Verschiedene Blickwinkel und Kontroversen werden zur Sprache gebracht, z.B. durch Zitate wie “Da will jeder immer individuell und besonders sein, und wenn es dann echt so ist, haben alle ein Problem”.

Der Film kann noch bis zum 3. Januar 2019 hier in der ZDF-Mediathek angesehen werden.

Fachtag im Justizministerium am 16.10.2018

Am Dienstag, 16.10.2018 fand im Bundesjustizministerium Berlin ein Fachtag mit Erfahrungs- und Fachexpert_innen statt zum Schutz intergeschlechtlich geborener Kinder statt. Gegenstand war die Erörterung einer gesetzlichen Regelung zum Schutz von Kindern mit Varianten der Geschlechtsentwicklung vor geschlechtsangleichenden medizinischen Maßnahmen.

Der aktuelle Koalitionsvertrag (von CDU, CSU und SPD) vom 12. März 2018 enthält zum Thema folgende Formulierung und Zielsetzung: “Wir werden gesetzlich klarstellen, dass geschlechtsangleichende medizinische Eingriffe an Kindern nur in unaufschiebbaren Fällen und zur Abwendung von Lebensgefahr zulässig sind.” (S. 21, Zeilen 797-799). Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.bmjv.de/DE/Startseite/Startseite_node.html

Positive Resonanz und konstruktiver Streit in der HOOU: Erfolgreiches Intersex-Symposium am UKE

Das Symposium “Intersex-Kontroversen” am 22.11.2017 war bereits das zweite Symposium des gleichnamigen Projekts der HOOU. Die Resonanz war groß und der Festsaal des Erika-Hauses am UKE in Hamburg ausgebucht.  Prof.  Peer Briken, Direktor des Instituts für Sexualforschung am UKE eröffnete die Veranstaltung.  Dass so viele der Einladung folgten, freute die Initiatorin Dr. Katinka Schweizer. Sie stellte das gastgebende Projekt und alle Gäste vor und moderierte durch den Nachmittag. „Positive Resonanz und konstruktiver Streit in der HOOU: Erfolgreiches Intersex-Symposium am UKE“ weiterlesen

Preisverleihung der ADS an Lucie Veith

Am Montag, 16. Oktober 2017 wurde der Preis für das Engagement gegen Diskriminierung 2017 der Bundesrepublik Deutschland an Lucie Veith verliehen.  Die festliche und bewegende Veranstaltung, ausgerichtet von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), fand  im Museum für Kommunikation in Berlin mit großer Resonanz statt.

Die Laudatio hielt Familienministerin Dr. Katarina Barley. Der Preis wurde zum dritten Mal verliehen und von Christine Lüders, der Leiterin der ADS, ins Leben gerufen. Lucie Veith wurde für den hartnäckigen Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen an intergeschlechtlich geborenen Kindern und den Einsatz für die Anerkennung von Intergeschlechtlichkeit in der Gesellschaft ausgezeichnet.

Lucie Veith dankte Mitstreiter_innen, Verbündeten und Unterstützer_innen und wies darauf hin, dass nach wie vor “das Angleichen an ein Normgeschlecht ohne Einwilligung der Person selbst” weiter “im Schatten des Tabus” in Kliniken praktiziert werde, und forderte nicht mehr und nicht weniger als den Zugang zu “gleichberechtigter Teilhabe am Leben und zur Gesundheitsversorgung” für alle Menschen. Denn: “Alle Menschen werden geboren mit einem Geschlecht, dem eigenen, und den gleichen Rechten”.

Lucie Veith brachte auch Unverständnis zum Ausdruck: “Ich werde es nie verstehen, warum die Umsetzung von Maßnahmen zum Schutz der Rechte intersexueller Menschen bis heute so schwierig ist.”

Der Moderator des Festakts, Carsten Rüger, nannte den Preis einen “Preis der Ermutigung”.

Für weitere Informationen

Interviews mit Fachexpert_innen

Auf diesem Beitrag können Sie Interviews mit verschiedenen Fachexpert_innen ansehen. Dr. Ute Lampalzer hat Fachleute interviewt, die sich seit längerer Zeit mit dem Themenfeld Intersex, Körper und Geschlecht beruflich auseinandersetzen.

Wir bedanken uns bei den Interviewpartner_innen für ihre Zeit und Offenheit und für die Einwilligung zur Veröffentlichung.

Folgende Interviews können Sie hier bereits sehen:

Dr. Michael Groneberg, Philosoph

Prof. Dr. phil. Konstanze Plett, Juristin

Dr. med. Wilhelm Preuss, Psychiater und Sexualforscher

Fabian Vogler, Bildhauer

Dr. phil. Katinka Schweizer, Psychologin