Symposium „Intersex-Kontroversen“ am 22.11.2017 in Hamburg

Am Mittwoch, den 22. November 2017 findet von 13 bis 18 Uhr das Interdisziplinäre Symposium „Intersex Kontroversen“ im Rahmen des gleichnamigen Projekts der Hamburg Open Online University (HOOU) im Erika-Haus des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf statt.

Im Fokus steht die Würdigung von Intergeschlechtlichkeit und die Gegenüberstellung verschiedener Zugänge zu offenen und strittigen Fragen im Umgang mit Variationen der körpergeschlechtlichen Entwicklung. Die  Mitwirkenden vertreten Perspektiven aus Eltern- und Erfahrungsexpertise, Ethik, Kunst, Medizin, Psychologie und Sexualwissenschaft.

Programm und Anmeldebogen finden Sie hier.

Die Vorträge, Podiumsgespräch und Performance finden auf Deutsch, teilweise Englisch statt.

Das Symposium ist eine Fortbildungsveranstaltung. Die Akkreditierung ist mit 6 Fortbildungspunkten beantragt.

Ehe für alle? – Ja, für alle!

„Die Ehe für alle lässt keine neue Geschlechtsdiskriminierung zu!“

Dr. Katarina Barley

Im Rahmen des Festakts zur Verleihung des Antidiskriminierungspreises  an Lucie Veith am 16.10.2017 ging Bundesfamilienministerin Dr. Barley auch auf die „Ehe für alle“ ein. „Die Ehe für alle lässt keine neue Geschlechtsdiskriminierung zu!“ sagte Barley in ihrer Laudatio. Sie erläuterte, dass die Ehe für alle eindeutig Wille des Gesetzesgebers gewesen sei. Dies bedeute, dass sie in der Gesetzesauslegung auch die Ehe für Intersexuelle einschließt. Barley verwies auf den neuen Gesetzestext: „Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen.“ (BGB § 1353, 1,1).

Desweiteren ging die Bundesministerin in ihrer Rede auf den notwendigen Ausbau der Vernetzung von Beratungsangeboten, insbesondere für Eltern intergeschlechtlicher Kinder ein: „Wir dürfen sie nicht alleine lassen!“

Barley brachte ihr Bedauern zum Ausdruck, dass es in der zurückliegenden Legislaturperiode nicht gelungen sei, eine dritte Geschlechtskategorie einzuführen. Das deutsche Personenstandsgesetz müsse endlich im 21. Jahrhundert ankommen. Sie forderte: „Gleichstellung muss gelebt werden!“ und dankte Lucie Veith für ihr großes Engagement. Zusammen mit Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle (ADS) überreichte sie Lucie Veith die Auszeichnung, eine Bronzeskulptur des Künstlers Fabian Vogler. „Anti-Diskriminierung braucht Vorbilder!“, dafür stehe der Preis.

Weitere Informationen

Interviews mit Fachexpert_innen

Auf diesem Beitrag können Sie Interviews mit verschiedenen Fachexpert_innen ansehen. Dr. Ute Lampalzer hat Fachleute interviewt, die sich seit längerer Zeit mit dem Themenfeld Intersex, Körper und Geschlecht beruflich auseinandersetzen.

Wir bedanken uns bei den Interviewpartner_innen für ihre Zeit und Offenheit und für die Einwilligung zur Veröffentlichung.

Folgende Interviews können Sie hier bereits sehen:

Dr. Michael Groneberg, Philosoph

Prof. Dr. phil. Konstanze Plett, Juristin

Dr. med. Wilhelm Preuss, Psychiater und Sexualforscher

Fabian Vogler, Bildhauer

Dr. phil. Katinka Schweizer, Psychologin

Intersex –
aus der Perspektive eines Bildhauers

Ein Beitrag von Fabian Vogler

Für mich als Künstler bzw. figurativen Bildhauer hat das bloße Wissen um Intersexualität mein Verständnis von der Welt ungemein erweitert und bereichert. Durch „Zufall“ fand ich mich in einem Vortrag von Dr. Katinka Schweizer zum Thema „Inter- und Transsexualität“ und die Erkenntnis um den Unterschied rüttelte gehörig an meiner bisherigen Konditionierung auf das bipolare Geschlechterkonstrukt. Zu keinem Zeitpunkt während meiner gesamten Schul- und Studienlaufbahn, weder in Deutschland, noch in Österreich, Spanien oder Großbritannien, war jemals von Intersexualität die Rede gewesen. Dabei hatte ich, ohne es zu wissen, allerdings in meiner Arbeit seit Jahren immer wieder intergeschlechtliche Figuren abgebildet und schon deshalb erschien mir die Existenz von Intersexualität als eine Offenbarung!

Persönlich immer gelangweilt von männlichen Stereotypen, denen ich in meiner Rolle als Mann hätte entsprechen sollen, erscheint mir die Aufgabe der strengen Zweiteilung, hin zu einem erweiterten Begriff von geschlechtlicher Identität, als große Befreiung. Faszinierend ist dabei für mich vor allem, dass doch JEDER MENSCH bis zur mindestens 7. Schwangerschaftswoche als Embryo intersexuell ist. Je nachdem, entwickeln sich erst dann weibliche oder männliche innere und äußere Geschlechtsmerkmale. Damit ist unser aller Ursprung derselbe und auch die Information davon steckt in uns allen. Dies zu verinnerlichen, erkenne ich als eine große gesellschaftliche Chance. Genießen wir sie!