Buchempfehlung zum Vorlesetag 2017

Am heutigen Vorlesetag wünschen wir allen Leser_innen viel Lesevergnügen. Unsere Leseempfehlung ist das Bilderbuch “Jill ist anders” von Ursula Rosen (2015) mit Illustrationen von Alina Isensee, erschienen im Salmo Verlag, Lingen.

Zu dem Buch gibt es eine Handreichung für Erzieher_innen  und Grundschullehrer_innen, die über die folgende Website zu erhalten ist: http://www.kinderbuch-intersexualitaet.de/.

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Ge-schlecht wird positiv: Wegweisender Beschluss des Bundesverfassungsgerichts

“Ja zum dritten Geschlecht” (SZ), “Nicht Mann noch Frau”, “Die Zukunft – unisex?” (FAZ), “Revolutionär” (Die Welt), “Drei gewinnt” (taz) – Schlagzeilen vom 8.11.2017

Die Freude ist groß, und Hartnäckigkeit zahlt sich aus!

Kläger_in Vanja hat nicht aufgegeben. Vor einem Jahr noch war ihre_seine Klage am Bundesgerichtshof abgelehnt worden. Nun haben die Richter_innen des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe, dem höchsten Gericht im Land, ihr_ihm Recht gegeben. In der Verfassungsklage hatte Vanja gegen das aktuelle Personenstandsrecht geklagt, das bisher nur zwei positive und seit 2013 eine weitere, “leere” Geschlechtskategorie zuließ. „Ge-schlecht wird positiv: Wegweisender Beschluss des Bundesverfassungsgerichts“ weiterlesen

EILMELDUNG: Bundesverfassungsgericht ermöglicht 3. Geschlechtseintrag

Das Bundesverfassungsgericht hat heute der Verfassungsbeschwerde vom 2. September 2016 stattgegeben. Darin war auf die Notwendigkeit verwiesen worden, intergeschlechtlich geborenen Personen, deren Geschlechtsidentität intergeschlechtlich oder divers ist, eine adäquate personenstandsrechtliche Erfassung zu ermöglichen.

Die Beschwerdeführer_innen hatten auf die Ungleichbehandlung, Diskriminierung und Unverhältnismäßigkeit der bisherigen Personenstandssituation für intergeschlechtliche Menschen hingewiesen. Sie forderten die Einführung einer weiteren personenstandsrechtlichen Kategorie.  (Az. 1 BvR 2019/16).

Nun hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe der Beschwerde in allen Punkten stattgegen. In Zukunft soll diese “Dritte Option” ermöglicht werden. Zur Begründung verwies das Gericht auf das im Grundgesetz geschützte Persönlichkeitsrecht und das Recht auf freie Ausübung der geschlechtlichen Identität. Wir gratulieren allen Beteiligtgen !

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Intersex Awareness Day am 26.10.2017

Heute, am 26. Oktober, ist der Internationale Intersex Awareness Day.

Der Intersex Awareness Day wird seit 1996 begangen und ging u.a. von einer Öffentlichen Kundgebung und Demonstration der “Hermaphrodites with Attitudes” in Boston / USA aus.

Intergeschlechtlichkeit ist gesamtgesellschaftlich wenig sichtbar und in der Allgemeinbevölkerung nach wie vor tabuisiert und unbekannt. Das Zwei-Geschlechter-System, aber auch das systematische Unsichtbar-Machen von intergeschlechtlichen Körpern über Jahrzehnte durch Medizin und Psychologie hat maßgeblich dazu beigetragen.

Die weltweiten Aktivitäten, die im Rahmen dieses Tages heute stattfinden, sollen die Beachtung der Menschenrechte von intergeschlechtlichen Menschen stärken. Morgan Carpenter (Australien) und Laura Inter (Mexico) widmen diesem Tage seit 2015 ein eigenes Intersex Awareness Day – Projekt  (s. Link )

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Symposium “Intersex-Kontroversen” am 22.11.2017 in Hamburg

Am Mittwoch, den 22. November 2017 findet von 13 bis 18 Uhr das Interdisziplinäre Symposium „Intersex Kontroversen“ im Rahmen des gleichnamigen Projekts der Hamburg Open Online University (HOOU) im Erika-Haus des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf statt.

Im Fokus steht die Würdigung von Intergeschlechtlichkeit und die Gegenüberstellung verschiedener Zugänge zu offenen und strittigen Fragen im Umgang mit Variationen der körpergeschlechtlichen Entwicklung. Die  Mitwirkenden vertreten Perspektiven aus Eltern- und Erfahrungsexpertise, Ethik, Kunst, Medizin, Psychologie und Sexualwissenschaft.

Programm und Anmeldebogen finden Sie hier.

Die Vorträge, Podiumsgespräch und Performance finden auf Deutsch, teilweise Englisch statt.

Das Symposium ist eine Fortbildungsveranstaltung. Die Akkreditierung ist mit 6 Fortbildungspunkten beantragt.

Ehe für alle? – Ja, für alle!

“Die Ehe für alle lässt keine neue Geschlechtsdiskriminierung zu!”

Dr. Katarina Barley

Im Rahmen des Festakts zur Verleihung des Antidiskriminierungspreises  an Lucie Veith am 16.10.2017 ging Bundesfamilienministerin Dr. Barley auch auf die “Ehe für alle” ein. “Die Ehe für alle lässt keine neue Geschlechtsdiskriminierung zu!” sagte Barley in ihrer Laudatio. Sie erläuterte, dass die Ehe für alle eindeutig Wille des Gesetzesgebers gewesen sei. Dies bedeute, dass sie in der Gesetzesauslegung auch die Ehe für Intersexuelle einschließt. Barley verwies auf den neuen Gesetzestext: “Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen.” (BGB § 1353, 1,1).

Desweiteren ging die Bundesministerin in ihrer Rede auf den notwendigen Ausbau der Vernetzung von Beratungsangeboten, insbesondere für Eltern intergeschlechtlicher Kinder ein: “Wir dürfen sie nicht alleine lassen!”

Barley brachte ihr Bedauern zum Ausdruck, dass es in der zurückliegenden Legislaturperiode nicht gelungen sei, eine dritte Geschlechtskategorie einzuführen. Das deutsche Personenstandsgesetz müsse endlich im 21. Jahrhundert ankommen. Sie forderte: “Gleichstellung muss gelebt werden!” und dankte Lucie Veith für ihr großes Engagement. Zusammen mit Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle (ADS) überreichte sie Lucie Veith die Auszeichnung, eine Bronzeskulptur des Künstlers Fabian Vogler. “Anti-Diskriminierung braucht Vorbilder!”, dafür stehe der Preis.

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Preisverleihung der ADS an Lucie Veith

Am Montag, 16. Oktober 2017 wurde der Preis für das Engagement gegen Diskriminierung 2017 der Bundesrepublik Deutschland an Lucie Veith verliehen.  Die festliche und bewegende Veranstaltung, ausgerichtet von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), fand  im Museum für Kommunikation in Berlin mit großer Resonanz statt.

Die Laudatio hielt Familienministerin Dr. Katarina Barley. Der Preis wurde zum dritten Mal verliehen und von Christine Lüders, der Leiterin der ADS, ins Leben gerufen. Lucie Veith wurde für den hartnäckigen Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen an intergeschlechtlich geborenen Kindern und den Einsatz für die Anerkennung von Intergeschlechtlichkeit in der Gesellschaft ausgezeichnet.

Lucie Veith dankte Mitstreiter_innen, Verbündeten und Unterstützer_innen und wies darauf hin, dass nach wie vor “das Angleichen an ein Normgeschlecht ohne Einwilligung der Person selbst” weiter “im Schatten des Tabus” in Kliniken praktiziert werde, und forderte nicht mehr und nicht weniger als den Zugang zu “gleichberechtigter Teilhabe am Leben und zur Gesundheitsversorgung” für alle Menschen. Denn: “Alle Menschen werden geboren mit einem Geschlecht, dem eigenen, und den gleichen Rechten”.

Lucie Veith brachte auch Unverständnis zum Ausdruck: “Ich werde es nie verstehen, warum die Umsetzung von Maßnahmen zum Schutz der Rechte intersexueller Menschen bis heute so schwierig ist.”

Der Moderator des Festakts, Carsten Rüger, nannte den Preis einen “Preis der Ermutigung”.

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