Intergeschlechtlichkeit in der Familienserie „Lena Lorenz“: ZDF läutete den Intersex Awareness Tag ein

Erstmals läutete das ZDF (Zweites Deutsches Fernsehen) den International Intersex Awareness Day am Vorabend mit einem thematischen Bezug in der Sendung „Lena Lorenz“ ein: Der Tag findet jährlich am 26. Oktober statt. In der Folge „Eindeutig uneindeutig“ der Serie „Lena Lorenz“ (90 min) ging es um die Geburt eines Interkindes mit partieller Androgeninsensitivität (PAIS) und die Fragen, die dadurch aufgeworfen werden. Anschaulich wird der Druck dargestellt, unter den Familien geraten können, eine schnelle Zuordnung ihres Neugeborenen mit mehrdeutigem Genitale zum weiblichen oder männlichen Geschlecht vorzunehmen. Da erscheinen der aufgeklärte Arzt, der die neuen medizinischen Leitlinien  zu kennen scheint, und die besonnene und fürsorgliche Hebamme Lena Lorenz als echte Vorbilder und Glücksfall für Kind und Eltern.

Geschlechtsanpassende Operationen ohne eindeutigen medizinischen Grund (Indikation) werden verurteilt und als obsolet erklärt. Doch die Beratung beider Profis wird von der Familie nur zaghaft angenommen. Es ist schließlich der vielleicht 6-jährige Bruder, der sich für sein Geschwisterkind einsetzt und die Eltern zur Vernunft bringt, indem er ihnen zeigt, was wirklich wichtig ist: Einander anzunehmen und zu lieben, wie man ist.

In der Folge wird die Selbstverständlichkeit angenommener Zweigeschlechtlichkeit in Frage gestellt. Verschiedene Blickwinkel und Kontroversen werden zur Sprache gebracht, z.B. durch Zitate wie „Da will jeder immer individuell und besonders sein, und wenn es dann echt so ist, haben alle ein Problem“.

Der Film kann noch bis zum 3. Januar 2019 hier in der ZDF-Mediathek angesehen werden.

Gesetzesentwurf zum dritten Geschlechtseintrag

Laut Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 10. Oktober 2017 muss sich der deutsche Gesetzgeber auf eine Änderung des Personenstandsgesetzes (PStG) einigen. Dies soll bis zum 31. Dezember 2018 geschehen. Das PStG soll einen positiven dritten Geschlechtseintrag ermöglichen. Da der Gesetzesentwurf des Ministeriums des Inneren, für Bau und Heimat vom 5. Juni 2018 stark kritisiert worden war (s. Blogbeitrag vom 28. Juni 2018, queer.de und eine Stellungnahme der Organisation Intersex International), wurde am 7. September 2018 ein neuer Gesetzesentwurf vorgelegt (hier ein Link zum PDF). „Gesetzesentwurf zum dritten Geschlechtseintrag“ weiterlesen

Podiumsdiskussion und Buchvorstellung am 7. November in Berlin

Am 7. November findet um 20 Uhr eine Podiumsdiskussion zum dritten Geschlechtseintrag in der International Psychoanalytic University (IPU) Berlin statt. Im Rahmen der Veranstaltung wird das in diesem Jahr erschienene Buch „Die Schönheiten des Geschlechts. Intersex im Dialog“, herausgegeben von Katinka Schweizer und Fabian Vogler, vorgestellt. Unter den Teilnehmenden befinden sich weiterhin Prof. Dr. Konstanze Plett, Lucie Veith und Dr. Ina-Marie Blomeyer. Die neue Präsidentin der IPU, Prof. Dr. Ilka Quindeau, wird den Abend moderieren. Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden Sie hier.

Fachtag im Justizministerium am 16.10.2018

Am Dienstag, 16.10.2018 fand im Bundesjustizministerium Berlin ein Fachtag mit Erfahrungs- und Fachexpert_innen statt zum Schutz intergeschlechtlich geborener Kinder statt. Gegenstand war die Erörterung einer gesetzlichen Regelung zum Schutz von Kindern mit Varianten der Geschlechtsentwicklung vor geschlechtsangleichenden medizinischen Maßnahmen.

Der aktuelle Koalitionsvertrag (von CDU, CSU und SPD) vom 12. März 2018 enthält zum Thema folgende Formulierung und Zielsetzung: „Wir werden gesetzlich klarstellen, dass geschlechtsangleichende medizinische Eingriffe an Kindern nur in unaufschiebbaren Fällen und zur Abwendung von Lebensgefahr zulässig sind.“ (S. 21, Zeilen 797-799). Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.bmjv.de/DE/Startseite/Startseite_node.html

Zur Hamburger Anhörung am 21. Juni 2018 zu Operationen an Kindern mit Variationen der Geschlechtsmerkmale

Am 21. Juni 2018 fand im Hamburger Rathaus auf die Große Anfrage (Drs. 21/9670) eine Anhörung zu „Operationen an Kindern mit Variationen der körperlichen Geschlechtsmerkmale“ statt. Der Wissenschaftsausschuss der Hamburger Bürgerschaft hatte dazu vier Auskunftspersonen geladen: Prof. Dr. Konstanze Plett, Juristin und Mitverfasserin der Verfassungsklage der „Dritten Option“, Ursula Rosen, Vertreterin des Vereins „Intersexuelle Menschen e. V.“, Dr. Michaela Katzer von der Hochschule Merseburg und Dr. Katinka Schweizer vom Institut für Sexualforschung am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf. „Zur Hamburger Anhörung am 21. Juni 2018 zu Operationen an Kindern mit Variationen der Geschlechtsmerkmale“ weiterlesen

Gesetzliche Neuerungen in Luxemburg und Österreich

Sowohl in Luxemburg, als auch in Österreich gab es kürzlich wegweisende Neuerungen zur Gesetzeslage für intergeschlechtliche Menschen. Laut Süddeutscher Zeitung vom 27.07.2018 sei am vergangenen Mittwoch in Luxemburg mehrheitlich für ein neues Gesetz gestimmt worden, welches die Personenstands- und Namensänderung für transgender und intersexuelle Menschen extrem vereinfache. „Gesetzliche Neuerungen in Luxemburg und Österreich“ weiterlesen

Zum Gesetzesentwurf zum 3. Geschlecht erläutert von Oliver Tolmein in der FAZ vom 8. Juni 2018

Am 8. Juni 2018 erschien der Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) „Geschlecht und Recht“ von Oliver Tolmein, der den Gesetztesentwurf des Ministeriums des Inneren für Bau und Heimat sehr bündig und verständlich zusammenfasst und verschiedene Problematiken aufzeigt. Tolmein zufolge handele es sich bei dem Gesetztesentwurf, der durch die Einführung der Kategorie „weiteres“ lediglich eine Änderung des Personenstandsgesetzes anstrebe, um eine starke Vereinfachung des Sachverhaltes, der der „Dritten Option“ und dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom November 2017 nicht gerecht werde. Eine Ausweitung des Transsexuellengesetzes (TSG) ermögliche es Personen mit einer Variante der Geschlechtsentwicklung (auch als „Intergeschlechtlichkeit“ bezeichnet), ihr Geschlecht im Geburtenregister nachträglich zu ändern, wenn eine medizinische Bescheinigung vorliegt.

Da Transsexuelle lediglich mit einem gerichtlichen Beschluss nach dem TSG den Personenstand ändern können, bezeichnet Tolmein die Ausweitung dieses Gesetzes auf intergeschlechtliche Menschen als „unbürokratisch“. Außerdem sei es den Initiator_innen der „Dritten Option“ ein Anliegen, die Selbstzuordnung anstatt körperliche Geschlechtsmerkmale als Basis für den Personenstand zu verwenden.

Warum überhaupt auf einen Eintrag im Geburtenregister bei Kindern und Erwachsenen beharrt wird, ist eine weitere Frage, die sich stelle. Tolmein schlussfolgert, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis sich diese Fragestellungen beantworten lassen.

Den Online-Artikel finden Sie unter dem Titel „Weiblich, männlich oder weiteres?“ unter diesem Link.