US-Gesundheitsministerium plant rückständige „neue“ Form der Geschlechtskategorisierung

Laut New York Times vom 21. Oktober 2018 plant das US-amerikanische Department of Health and Human Services (Gesundheitsministerium), die rechtliche Definition von „Geschlecht“ in den Federal Civil Rights Laws (Bürgerrechte) kürzer zu fassen. Der Paragraph „Title X“ untersagt jegliche Diskriminierung aufgrund des Geschlechts in staatlich finanzierten Ausbildungseinrichtungen. In einem vor Kurzem veröffentlichten Entwurf des Department of Health and Human Services soll darin zukünftig „Geschlecht“ als dichotom „weiblich“ oder „männlich“ definiert werden, wobei diese Zuschreibungen anhand der bei der Geburt vorhandenen Geschlechtsmerkmale getroffen werden sollen und und als unveränderbar gelten. Bei Unklarheiten sollen genetische Tests Klarheit schaffen. Catherine E. Lhamon, die während der Obama Administration das Education Department’s Office for Civil Rights (Abteilung für Bürgerrechte des Bildungsministeriums) geleitet hat,  äußerte zur  vorgeschlagenen Geschlechterdefinition: “[this] quite simply negates the humanity of people” („[dies] negiert die Menschlichkeit der Menschen“). Das Vorhaben ignoriert biologische, sexualwissenschaftliche und medizinische Fakten; es ist unethisch und unwissenschaftlich. Weitere Informationen finden sich unter diesem Link der New York Times und unter diesem Link eines Artikels der Süddeutschen Zeitung vom 11. November 2018.

Intergeschlechtlichkeit in der Familienserie „Lena Lorenz“: ZDF läutete den Intersex Awareness Tag ein

Erstmals läutete das ZDF (Zweites Deutsches Fernsehen) den International Intersex Awareness Day am Vorabend mit einem thematischen Bezug in der Sendung „Lena Lorenz“ ein: Der Tag findet jährlich am 26. Oktober statt. In der Folge „Eindeutig uneindeutig“ der Serie „Lena Lorenz“ (90 min) ging es um die Geburt eines Interkindes mit partieller Androgeninsensitivität (PAIS) und die Fragen, die dadurch aufgeworfen werden. Anschaulich wird der Druck dargestellt, unter den Familien geraten können, eine schnelle Zuordnung ihres Neugeborenen mit mehrdeutigem Genitale zum weiblichen oder männlichen Geschlecht vorzunehmen. Da erscheinen der aufgeklärte Arzt, der die neuen medizinischen Leitlinien  zu kennen scheint, und die besonnene und fürsorgliche Hebamme Lena Lorenz als echte Vorbilder und Glücksfall für Kind und Eltern.

Geschlechtsanpassende Operationen ohne eindeutigen medizinischen Grund (Indikation) werden verurteilt und als obsolet erklärt. Doch die Beratung beider Profis wird von der Familie nur zaghaft angenommen. Es ist schließlich der vielleicht 6-jährige Bruder, der sich für sein Geschwisterkind einsetzt und die Eltern zur Vernunft bringt, indem er ihnen zeigt, was wirklich wichtig ist: Einander anzunehmen und zu lieben, wie man ist.

In der Folge wird die Selbstverständlichkeit angenommener Zweigeschlechtlichkeit in Frage gestellt. Verschiedene Blickwinkel und Kontroversen werden zur Sprache gebracht, z.B. durch Zitate wie „Da will jeder immer individuell und besonders sein, und wenn es dann echt so ist, haben alle ein Problem“.

Der Film kann noch bis zum 3. Januar 2019 hier in der ZDF-Mediathek angesehen werden.

Gesetzesentwurf zum dritten Geschlechtseintrag

Laut Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 10. Oktober 2017 muss sich der deutsche Gesetzgeber auf eine Änderung des Personenstandsgesetzes (PStG) einigen. Dies soll bis zum 31. Dezember 2018 geschehen. Das PStG soll einen positiven dritten Geschlechtseintrag ermöglichen. Da der Gesetzesentwurf des Ministeriums des Inneren, für Bau und Heimat vom 5. Juni 2018 stark kritisiert worden war (s. Blogbeitrag vom 28. Juni 2018, queer.de und eine Stellungnahme der Organisation Intersex International), wurde am 7. September 2018 ein neuer Gesetzesentwurf vorgelegt (hier ein Link zum PDF). „Gesetzesentwurf zum dritten Geschlechtseintrag“ weiterlesen

Podiumsdiskussion und Buchvorstellung am 7. November in Berlin

Am 7. November findet um 20 Uhr eine Podiumsdiskussion zum dritten Geschlechtseintrag in der International Psychoanalytic University (IPU) Berlin statt. Im Rahmen der Veranstaltung wird das in diesem Jahr erschienene Buch „Die Schönheiten des Geschlechts. Intersex im Dialog“, herausgegeben von Katinka Schweizer und Fabian Vogler, vorgestellt. Unter den Teilnehmenden befinden sich weiterhin Prof. Dr. Konstanze Plett, Lucie Veith und Dr. Ina-Marie Blomeyer. Die neue Präsidentin der IPU, Prof. Dr. Ilka Quindeau, wird den Abend moderieren. Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden Sie hier.

Fachtag im Justizministerium am 16.10.2018

Am Dienstag, 16.10.2018 fand im Bundesjustizministerium Berlin ein Fachtag mit Erfahrungs- und Fachexpert_innen statt zum Schutz intergeschlechtlich geborener Kinder statt. Gegenstand war die Erörterung einer gesetzlichen Regelung zum Schutz von Kindern mit Varianten der Geschlechtsentwicklung vor geschlechtsangleichenden medizinischen Maßnahmen.

Der aktuelle Koalitionsvertrag (von CDU, CSU und SPD) vom 12. März 2018 enthält zum Thema folgende Formulierung und Zielsetzung: „Wir werden gesetzlich klarstellen, dass geschlechtsangleichende medizinische Eingriffe an Kindern nur in unaufschiebbaren Fällen und zur Abwendung von Lebensgefahr zulässig sind.“ (S. 21, Zeilen 797-799). Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.bmjv.de/DE/Startseite/Startseite_node.html

Zur Hamburger Anhörung am 21. Juni 2018 zu Operationen an Kindern mit Variationen der Geschlechtsmerkmale

Am 21. Juni 2018 fand im Hamburger Rathaus auf die Große Anfrage (Drs. 21/9670) eine Anhörung zu „Operationen an Kindern mit Variationen der körperlichen Geschlechtsmerkmale“ statt. Der Wissenschaftsausschuss der Hamburger Bürgerschaft hatte dazu vier Auskunftspersonen geladen: Prof. Dr. Konstanze Plett, Juristin und Mitverfasserin der Verfassungsklage der „Dritten Option“, Ursula Rosen, Vertreterin des Vereins „Intersexuelle Menschen e. V.“, Dr. Michaela Katzer von der Hochschule Merseburg und Dr. Katinka Schweizer vom Institut für Sexualforschung am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf. „Zur Hamburger Anhörung am 21. Juni 2018 zu Operationen an Kindern mit Variationen der Geschlechtsmerkmale“ weiterlesen

Gesetzliche Neuerungen in Luxemburg und Österreich

Sowohl in Luxemburg, als auch in Österreich gab es kürzlich wegweisende Neuerungen zur Gesetzeslage für intergeschlechtliche Menschen. Laut Süddeutscher Zeitung vom 27.07.2018 sei am vergangenen Mittwoch in Luxemburg mehrheitlich für ein neues Gesetz gestimmt worden, welches die Personenstands- und Namensänderung für transgender und intersexuelle Menschen extrem vereinfache. „Gesetzliche Neuerungen in Luxemburg und Österreich“ weiterlesen